Schanzenkrawalle: Deeskalation versus Schutz der Bürger?

Am letzten Wochenende gab es wieder die jährlichen Maikrawalle. Ich habe wie viele andere keine Lust mehr, dabei zuzusehen, wie das Viertel zum Abenteuerspielplatz von Idioten verkommt. Daher habe ich an meine Parteifreunde in der GAL mal eine Mail im interen GAL-Forum geschrieben. Er ist sehr emotional geschrieben. Ich will natürlich auch nicht Zustände wie bei einem G8-Treffen, aber man muss schon auch mal überlegen, was Deeskalation für die betroffenen Bürger bedeutet. Die Mail habe ich hier für eine Diskussion auch außerhalb der GAL einmal dokumentiert. Ich freue mich über praktikable Vorschläge, dem Problem zu begegnen.

Liebe Leute,

ich habe es wie viele andere (siehe Presseberichterstattung) in der Schanze satt, dass sich unser Stadtteil zum alljährlichen Spielfeld von gewaltbereiten Hohlköpfen entwickelt hat. Ich war eigentlich immer ein Vertreter von Deeskalationsstrategien, aber wenn das dazu führt, dass wie am Samstag dutzende Scheiben eingeworfen werden und Autos von Anwohnern zerstört werden, auf der Straße offene Brände in einem von Altbauten geprägtem Viertel gelegt werden, ohne dass man auch nur einen Polizisten sieht, dann komme ich zu dem Schluss, dass das vielleicht doch nicht so eine gute Strategie ist.

Man kann es nicht länger hinnehmen, dass uns hier die Infrastruktur von Sparkasse bis zur Drogerie kaputtgeschlagen wird, kleine Einzelhändler morgens vor kaputten Scheiben stehen und Anwohner ihr Fahhrad auf einer abgebrannten Barrikade wiederfinden. Diesmal fand ich es zudem persönlich sehr bedrohlich. Der Mob tobte zeitweise bei uns in der Bernstorffstraße, um sich an einer Baustelle mit Steinen zu versorgen. Ich bin eine Stunde am Fenster stehen geblieben, weil diese zum Teil angetrunkenen Idioten mit ihren Pflastersteinen direkt vor unserem Kinderzimmer (im Erdgeschoss) auf und ab gingen. In dieser bedrohlichen Situation – nebenan wurden Barrikaden errichtet und alles, was nicht niet- und nagelfest war, auf die Straße geworfen – habe ich die ganze Stunde lang keinen Polizisten gesehen. Übrigens ist es ein von Linken gern vorgetragener Mythos, dass das nur Pinnerger Krawallkiddies sind. Mindestens 50% der gesichteten Steinewerfen hatten die szeneübliche schwarze Autonomentracht an und viele auch politische Badges wie schwarz-rote Sterne etc.

Es mag ja sein, dass Deeskalationsstrategien gut für die Berichterstattung in der Presse sind, ob sie auch gut für die betroffenen Bürger ist, möchte ich hiermit öffentlich anzweifeln.

Beste Grüße

Lars Brücher, KV Altona

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3 Kommentare zu Schanzenkrawalle: Deeskalation versus Schutz der Bürger?

  1. Rame Nequired sagt:

    „Mindestens 50% der gesichteten Steinewerfen hatten die szeneübliche schwarze Autonomentracht an und viele auch politische Badges wie schwarz-rote Sterne etc.“

    Stimmt, so etwas gibt es ja auch nur in der Schanze, woanders läuft ja niemand so herum,jaja, das waren ganz sicher die böschen Chaoten aus der Flora persönlich. *ächz*

    Jetzt machen wir mal die Augen auf und lesen, was der Onkel Polizeipräsident gesagt hat. Aber wahrscheinlich hat der sich jetzt mit den Linken solidarisiert und sagt deshalb, dass das überwiegend Minderjährige und fast noch Kinder gewesen sind, die keinerlei politische Ambitionen haben. Aber es ist süss, dass sich ein verängstigter Familienvater von der anderen Seite der Stresemannstrasse seine Gedanken über das Schanzenviertel macht, auch wenn er im Prinzip ausserhalb wohnt.

  2. Lars Brücher sagt:

    Ich habe ja nicht behauptet, dass die alle aus der Schanze waren. Das ist kaum anzunehmen. Ich habe nur gesagt, dass sie sich äußerlich offensichtlich einer gewissen politischen Strömung zugehörig zeigen wollten. Ob sie echte Linke in deinen Augen sind, kann ich nicht beurteilen. Interessant auch die doch recht bürokratische Begrenzung der Schanze: 1. ist die Schanze mein Kiez, in dem ich einkaufe, ins Cafe gehe, meine Platten kaufen und Hinz und Kunz kenne. 2. ist das in dem Kontext auch egal, weil im konkreten Fall die Randale in meiner Straße war.
    Ich weiß nicht, ob der Polizeipräsident vor Ort war, die Dutzende von Typen, die ich um 23 Uhr in der Straße habe rumlaufen sehen, waren mit Sicherheit nicht minderjährig. Schon einmal überlegt, dass es für den Polizeipräsidenten vielleicht einfacher (und strategisch vielleicht auch geschickter) ist, das als Randale von Krawallkiddies abzutun als dahinter öffentlich ein politisches Problem zu vermuten, das womöglich mit dem Flora-Umfeld zu tun hat? Ich sagen ausdrücklich: Nicht aus der Flora gesteuert wird. Ich glaube der Flora, dass sie von dieser Form des politischen Protestes nicht viel hält. Das sind eher Polithooligans. Können wir uns vielleicht darauf einigen?
    BTW: Wer Mut zu einer Meinung hat, hat auch Mut zu einem Namen.

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